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Expansion der Hochschulbildung und Akademisierung der Beschäftigung

Förderer: DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: 01.11.2016 - 31.10.2018
Projektleitung: Prof. Dr. Manfred Stock
Mitarbeiter/-innen: Annett Maiwald, Annemarie Matthies, Christoph Schubert

Kurzzusammenfassung

Im Zentrum der sowohl öffentlich als auch bildungspolitisch geführten Debatte um eine „Überakademisierung“ in Deutschland stehen die stetig wachsende Anzahl von Hochschulabsolventen und die Effekte, die dies auf das Beschäftigungssystem habe. Dabei fällt auf, dass diese Debatte kaum mit Blick auf die Befunde vorliegender wissenschaftlicher Untersuchungen zum Verhältnis von akademischer Bildung in ihrer Expansion und der Entwicklung der Akademikerbeschäftigung geführt wird. Untersuchungen zeigen, dass das Beschäftigungssystem in Deutschland – entgegen vieler Vorhersagen – die beständig wachsende Zahl an Hochschulabsolventen bislang weitgehend absorbiert hat. Aufs Ganze gesehen mussten Absolventen dabei weder Einkommensverluste noch eine Verschlechterung ihrer Platzierung innerhalb der Arbeitsorganisationen hinnehmen. Die Akademisierung drückt sich insofern nicht nur in der beständigen Zunahme der Anzahl und des Anteils akademisch Ausgebildeter im Beschäftigungssystem, also auf Seiten des Arbeitsvermögens, aus. Auch die beruflichen Stellen scheinen in ihren Ausprägungen insgesamt der Akademisierungsdynamik der Absolventen zumindest nicht zu widersprechen. Während statistische Befunde in Richtung einer Akademisierung sowohl des Arbeitsvermögens als auch der Arbeitsstellen weisen, sind die Gründe für diese Entwicklung allerdings weitgehend ungeklärt.

Anhand exemplarischer Fallstudien für ausgewählte anwendungsbezogene Studienfächer und entsprechende Berufsfelder – Frühpädagogik, Klinische Psychologie und Wirtschaftsinformatik – untersucht das Forschungsprojekt die Akademisierungsdynamik und deren Logik mit Blick auf die Hervorbringung des akademischen Arbeitsvermögens in den Universitäten und Hochschulen sowie auf die Konstruktion der Stellen für akademisches Personal in den Arbeitsorganisationen. Es soll gezeigt werden, ob und – wenn ja – welche konkreten wechselseitigen Bezugnahmen zwischen einerseits der Konstruktion und Typisierung des akademischen Arbeitsvermögens in Hochschulen und andererseits der Konstruktion und Typisierung von Arbeitsstellen in den entsprechenden Feldern des beruflichen Handelns bestehen. Dabei wird auf Seiten der Typisierung des Arbeitsvermögens die Einrichtung und Implementierung anwendungsbezogener Studienfächer im Zusammenhang mit der Differenzierung der für diese relevanten Wissenschaftsdisziplinen untersucht.

Während in der vorherrschenden Debatte um „Überakademisierung“ unterstellt ist, dass die Hochschulen einen „Qualifikationsbedarf“ bedienen, der in der Arbeitswelt entstünde, steht im Projekt die Frage im Zentrum, ob und inwiefern die Expansion der Hochschulbildung nicht selbst Stellen für Akademiker erzeugt; anders gesagt: Ob die Hochschulen nicht jenen „Bedarf“ mithervorbringen, den sie befriedigen.

Summary

The Expansion of Higher Education and the Academization of Employment

A debate currently playing out in connection with both public and educational policy revolves around an encroaching “over-academization” in Germany, i.e.  the growing numbers of college and university graduates, and the  ramifications this will have for the labour market. Surprisingly, this  discourse only marginally takes research into account which examines the  relationship between the ongoing expansion of higher education and the  developing trends of its graduates’ employment. Studies have shown that,  in contrast to manifold predictions, to date the labour market has in  fact absorbed the vast majority of higher education graduates,  notwithstanding their growing ranks. Overall, graduates have experienced  neither a loss of income nor a downgrading of their positions within  the hierarchy of the employment system. As such, this  (over-)academization describes not only to the rising numbers and share  of academically educated candidates in the labour force, i.e.  labour potential. It would also appear that the positions offered have  evolved to at least accommodate the new situation brought about by this  phenomenon. And while statistical evidence supports the emergence of an  academization of both personnel and employment positions, the reasons  for this dynamic remain unclear.

Using exemplary case studies on selected practice-oriented subjects and occupational fields – e.g.  early education, clinical psychology and information systems – the  research project examines the process of academization and its rationale  in connection with the generation of educational potential in  postsecondary education, i.e. colleges and universities. It further  probes the creation and construction of posts for the academically  qualified within the employment system.  The aim is to  demonstrate if,  and if so which, reciprocal referentials exist between the construction  and classification of academic labour potential in postsecondary  education on the one hand and the construction and classification of  jobs in the corresponding fields on the other. In terms of the  typification of employment potential, the project will also probe the  institution and implementation of application-orientated subjects and degree programmes in conjunction with a respective differentiation of the relevant academic disciplines.

It  is taken for granted in the current debate on academization that  institutions of higher learning address the need for qualified  candidates arising in the employment sector. In contrast, the project  focuses on whether and to what extent the expansion of high education  does not indeed itself produce such a “need” for employment  opportunities for academics, which it then satisfies.

Veröffentlichungen

  • Arbeitskraft- und Stellentypisierungen. Organisationssoziologische Überlegungen  zum Zusammenhang zwischen Bildung und Beschäftigung. In: Maier, Maja S. (Hrsg.): Organisation und Bildung. Theoretische und empirische Zugänge. VS-Verlag. Wiesbaden  2016. S. 73–91.
  • „Überakademisierung“. Anmerkungen zu einer aktuellen Debatte. In: Die Hochschule.  Journal für Wissenschaft und Bildung 25, 2014, Heft 2. S.23–38.

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